Lost In The Wild Wild West

Sonntag, November 19, 2006

Paddeln wie wild und verrückt - Tag2

Nach der zumindest akustisch ereignisreichen Nacht folgte das "Erwachen" am nächsten Morgen zu früher Stund'

so richtig fit war ich noch nicht wie man an folgendem Bild sieht

aber es half alles nichts. Irgendwann bin ich dann doch aufgestanden (worden). Es folgte Frühstück. Bevor wir losgefahren sind hab ich mir nochmal in Ruhe das Kanufahreinmaleins erklären lassen und dann gings los. Mein Ausblick (immer noch derselbe wie vortags nachmittag - Gott sei Dank)

und meine Wenigkeit am Steuer

Aus lauter Langweile (und wahrscheinlich auch Kraft- und Mutüberschuss) haben wir uns hin und wieder zum letzten Boot zurückfallen lassen bis zum letzten Boot und haben dann versucht so schnell wie möglich nach vorn zu kommen. Mir hats gefallen. Miffi auch. Der Rest hat uns wahrscheinlich für vollkommen bekloppt gehalten.

Das wurde mir irgendwann langweilig und ich hab beschlossen Baden zu gehen.

Die Wassertemperaturen würde ich als herzrasenfreundlich beschreiben. Also wieder schnell rein ins Boot. Dann haben wir lustige Vögel gesehen und es entstand das Roman-und-die-Vögel-Bild, das die Welt bisher so schmerzlich vermisst hat.

Gefühlte 3min später war mir wieder langweilig und mir sind lustige Versteckspielchen eingefallen. Ich als Steuer hab beschlossen uns hinter irgendwelchen Wasserarmen zu verstecken. Nur leider hat das niemanden interessiert. Selbst Miffi war davon dann nicht mehr so begeistert. Im Endeffekt habe ich ihm dann irgendwann das Steuer überlassen müssen, weil ich wohl seiner Meinung nach zu viel Blödsinn gemacht hab und dem Gesamtziel hin (Ankommen) nur wenig produktiv war. War mir auch Recht und ich habs mir vorn gutgehen lassen und meinen Steuermann auch die Fortbewegungsarbeit überlassen.
Ich möchte an dieser Stelle natürlich nicht Verschweigen, dass ich vom Paddeln schwerste Verletzungen (in Blasenform) davon getragen hab.
Das hat mir übrigens den Spitznamen Sissi für den Rest des Tages gesichert. :-) Was dann folgte war die beste Idee die ich während des gesamten Wochenendes hatte: eine Wasserschlacht!!! Wir wurden mit lustigen kleinen Eimern ausgestattet, die eigentlich dazu gedacht waren evtl ins Kanu kommendes Wassser wieder zu beseitigen. Natürlich konnte man die auch dazu umfunktieren, andere Leute mit dem feuchten Nass zu benetzen. Nachdem wir uns ein erstes Opfer-Boot ausgesucht hatten gings dann wie wild und verrückt zur Sache. Der Plan war das Boot nass zu machen und bevor sie reagieren konnten schnell wegzupaddeln. Was soll ich sagen: das Nassmachen hat geklappt, das Wegpaddeln nicht. Nachdem wir das andere Boot ordentlich nassgemacht hatten hat unser Kanu genau in Richtung Dünen geguckt. An Flucht war nicht zu denken und folgerichtung waren wir auch völlig nass. Deswegen konnten wir uns dann auch ohne Rücksicht auf Verluste an die anderen Boote wagen, wir hatten ja nichts mehr zu verlieren.
Nach und nach haben wir dann jedes Boot wassermäßig bekriegt bis letzten Endes alle naß waren. Mein persönliches Highlight des Wochenendes. Danach war ich glücklich und nach ca. 10min Wasser aus unserem Kanu rausmachen sind wir relativ zufrieden und ruhig (mit nur noch vereinzelten Zwischenspurts) gen Ziel gepaddelt. Dort wurde dann wieder das Auto beladen und ein schmaler 5std Trip trennte uns von Tucson. Natürlich sollte alles anders kommen als erwartet, denn irgendwie haben die Guides zwischendurch vergessen das Auto zu betanken, was in Arizona alles andere als lustig ist, da die Tankstellendichte außerhalb der Städte doch zu wünschen übrig lässt (teilweise bis zu 80 Meilen nichts). Es kam wie es kommen musste und wir sind auf dem Freeway liegengeblieben. Durch einen riesengroßen Zufall konnten wir aber eine Tankstelle in der Ferne erkennen. Es musste sich nur noch zwei Leute finden, die hinrennen und Benzin holen. Keine Frage wer sich da als erster gemeldet hat. Mit einem der Guides, Quillan, habenich mich dann auf den Weg gemacht. Anfangs dachte ich noch er macht einen Spaß oder will nur schnell auf die andere Freeway-Seite kommen oder er will nur Rumposen oder was auch immer so ist er losgerannt. Nach ein paar 100m wurde mir dann klar, dass das Ganze offensichtlich sein voller Ernst war. Selbstverständlich war ich mir viel zu Stolz zu fragen, ob er denn das Tempo ein wenig drosseln können. Lieber leiden dachte ich mir. Nach ungefähr zwei Meilen, in meinen Augen in weltrekordverdächtigem Tempo absolviert, sind wir dann an der Tanke angekommen. Ich sags mal so: An ein Zurückrennen war bei mir nicht mal zu denken. Deswegen war ich dann ziemlich froh das Quil das genauso sah uns wir uns einen Fahrer mit Pickup gesucht haben, der uns bis zu unserem UofA Bus gefahren hat. Es folgte die Auffüllung des Notbenzins, das Suchen einer richtigen Tanke gesucht, Vollgetanken, ein kleiner Snack und der Rückweg. Ich trau es ja kaum zu erwähnen aber ich hatte Krämpfe im Bus. Ich muss mehr Sport machen! Definitiv. Erschöpft bin ich dann letzten Endes in mein Bett in Tucson gefallen. Letztendlich kann man sagen, dass das Wochenende ganz und gar nicht langweilig, wie anfangs vermutet, war.